1999
Seidene Kostbarkeiten
Mittelalterliche Textilkunst von Europa bis China

Schon im letzten Jahrhundert galten mittelalterliche Seidenstoffe als besondere Liebhaber- und Sammlungsobjekte. Heute sind sie auch wichtige Zeugnisse der Kultur-, Wirtschafts- und Technologiegeschichte. Im Mittelalter selbst waren solche Textilien hochgeschätzt, Silber oder Gold im Wert vergleichbar. Zunächst kamen sie aus Byzanz oder aus Gebieten noch weiter östlich, die dem christlichen Westen in kultureller Hinsicht weit überlegen waren.

Als die Mongolen im 13. Jahrhundert zur Grossmacht wurden, verbreiteten sich chinesische Motive westwärts. Solche Muster finden wir auf verschiedenen Stoffen, die den Beginn der Seidenweberei in Venedig und Lucca kennzeichnen. Diese Städte, die intensive Handelsbeziehungen nach Osten und auch Norden unterhielten, wurden zu neuen Textilzentren, als die christlichen Stützpunkte im Nahen Osten an den Islam fielen. Zudem förderte steigende Nachfrage in Europa eigene Produktionsstätten. Die Webtechniken waren kompliziert, und man hielt sich vorerst eng an östliche Vorbilder. Im Lauf des 14. Jahrhunderts fanden die italienischen Entwerfer jedoch zu einem eigenen Stil, mit virtuosen Verbindungen von figürlichen, tierischen, pflanzlichen und architektonischen Motiven.