2008
Bürgerstolz und Fürstenpracht.
Kostüme des 16. bis 18. Jahrhunderts

20. April - 2. November 2008
täglich von 14.00 bis 17.30 Uhr

Die Abegg-Stiftung präsentiert eine Sonderausstellung bedeutender historischer Kostüme aus den Beständen des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die Ausstellung zeigt eine Gruppe von etwa 20 bürgerlichen Gewändern des 17. Jahrhunderts, die ursprünglich aus dem Besitz reicher Kölner Familien stammen und später mit der Sammlung des Barons von Hüpsch nach Darmstadt gelangten. Ergänzt wird diese Sammlung durch eine kleinere Anzahl von Damenoberteilen des späten 18. Jahrhunderts.

Im zweiten Teil der Ausstellung ist ein mehrteiliges Kostüm des Kurfürsten Moritz von Sachsen aus dem Bestand der Dresdener Rüstkammer zu sehen, das aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert.

Alle Gewänder wurden im Textilatelier der Abegg-Stiftung konserviert bzw. restauriert und kostümhistorisch untersucht. Die Resultate der delikaten und aufwendigen Arbeiten werden in einem reich bebilderten Katalog vorgelegt.

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Die extravagante Hofmode der Renaissance und der bürgerliche Kleidungsstil des 17. Jahrhunderts sind vor allem durch die Bildende Kunst überliefert. Die Kostüme selbst haben sich nur vereinzelt erhalten. Eine Reihe solch seltener Gewänder sind der Abegg-Stiftung zur Restaurierung anvertraut worden. Bevor sie zu ihren Eigentümern zurückkehren, werden sie in Riggisberg dem Publikum präsentiert. Zu sehen sind ein prachtvolles mehrteiliges Fürstenkostüm des 16. Jahrhunderts und bürgerliche Gewandoberteile des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die Ausstellung zeigt bedeutende historische Kostüme aus den Beständen des Hessischen Landesmuseums Darmstadt und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. An insgesamt 27 Kleidungsstücken lassen sich hohe Schneiderkunst, reizvolle Dekorationen und modische Eskapaden bewundern. Die Kostüme sind auf massgefertigte Ständer montiert, welche ihnen das passende Volumen und die für die jeweilige Zeit typische Körpersilhouette verleihen.

BÜRGERLICHE KOSTÜME
Der modische Anspruch der bürgerlichen Oberschicht war ebenso gross wie jener des Adels. Patrizier und reiche Bürger gefielen sich darin, die gleichen Schnitte wie die Fürsten zu tragen. Unterschiede gab es vor allem bei den verwendeten Materialien. Kleiderordnungen legten jeweils genau fest, welcher Stoff von welchem Stand getragen werden durfte. So war beispielsweise der Einsatz von Metallfäden den Fürsten vorbehalten. Zahlreiche Porträts des 17. Jahrhunderts belegen den aufwendigen Kleidungsstil des bürgerlichen Standes, originale Kostüme aus jener Zeit jedoch sind nur spärlich zu finden.

DIE SAMMLUNG DES BARONS VON HÜPSCH
In der Ausstellung wird die einzigartige historische Kostümsammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt vorgestellt. Sie geht zurück auf den Kölner Sammler Baron von Hüpsch (1730–1805), der sich als einer der ersten für die Gewänder der bürgerlichen Oberschicht interessierte und diese in seiner privaten Universaliensammlung dokumentierte. Er trug 18 Kleidungsstücke aus dem 17. Jahrhundert zusammen: 9 Damen- und 9 Männeroberteile, die einst von Patriziern und wohlhabenden Bürgern der Stadt Köln getragen worden waren. Seine Kostümsammlung ist die weitaus bedeutendste ihrer Art. In ihr finden sich Gewandtypen, die sich sonst nirgends erhalten haben. Mit ihrem bemerkenswerten Bestand kann sie die Entwicklung der bürgerlichen Mode im 17. Jahrhundert dokumentieren. Präsentiert werden unter anderem fischbeinverstärkte Mieder mit abstehenden Schossteilen, spitzenbesetzte Männerwämser und Leibröcke mit weit ausschwingenden Schössen. Aufwendiger Zierat wie Schlitzdekor im Gewebe, Stickereien, üppiger Schlaufenbesatz an den Manschetten und zahlreiche Knöpfe veredeln die Gewänder zusätzlich.

KOSTÜME DES 18. JAHRHUNDERTS Die Kostümsammlung Hüpsch wird ergänzt durch fünf Damenoberteile des 18. Jahrhunderts, welche ebenfalls dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt gehören. Sie zeigen, dass auch in dieser Epoche Kleidungsstücke oft weitergegeben und neuen Trägern angepasst oder aus modischen Gründen verändert wurden. Zwei Theaterkostüme sind besonders bemerkenswert. Sie sind aus einfacheren Materialien gefertigt, und eines weist historisierende Elemente auf, die ihm einen Renaissancecharakter verleihen sollen.

HOFMODE DER RENAISSANCE
Ein mehrteiliges Prunkkostüm veranschaulicht die extravagante Hofmode des 16. Jahrhunderts, die man sonst in dieser Vollständigkeit nur von Gemälden, zum Beispiel von Hans Holbein dem Jüngeren oder Tizian, kennt. Das Kostüm gehörte Kurfürst Moritz von Sachsen (1521–1553) und ist heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Rüstkammer). Blickfang des Ensembles ist der sogenannte Rock, eine Art Kurzmantel, der in dichte Falten gelegt und mit modischen Puff- und Hängeärmeln ausgestattet ist. Ein gelbes Seidenwams, eine bauschige Kurzhose und gelbe Lederstrümpfe vervollständigen die repräsentative Fürstenkleidung. Das Ensemble ist das älteste vollständig erhaltene Prunkkostüm der Renaissance.

AUFWENDIGE KONSERVIERUNG
Alle ausgestellten Gewänder wurden in der Abegg-Stiftung kostümhistorisch untersucht, konserviert und restauriert sowie auf individuelle Ständer montiert. Die Resultate der langjährigen, delikaten Forschungs- und Restaurierungsarbeiten werden in Publikationen vorgelegt. Ein reich bebilderter Katalog der Gewänder aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt erscheint zur Ausstellungseröffnung. Er entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit internationalen Fachleuten. Nach der Ausstellung kehren die wertvollen Gewänder in ihre angestammten Museen zurück.

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