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Pinsel, Schiffchen, Fadenknäuel Spätantike Textilien aus Ägypten und ihre Herstellung
25. April 14. November 2004
täglich von 14.00 bis 17.30 Uhr
Die Zeit zwischen dem 2. und 8. Jahrhundert, in der sich im Nildelta drei Weltkulturen die spätantike, die christliche und die islamische überlagerten, ist eine kulturell besonders fruchtbare und vielschichtige Epoche. Davon zeugen auch die Textilien, die in jener Zeit gewebt und gewirkt wurden.
Die diesjährige Sonderausstellung der Abegg-Stiftung geht den Herstellungsweisen nach und zeigt sowohl hochkomplexe Gewebe mit Flächenmustern als auch freihändig geschaffene Wirkereien. Als Besonderheit sind drei komplett erhaltene Gewänder, die mit all ihren Dekorationen in Form gewebt wurden, zu sehen. Eine zweite wichtige Gruppe bilden Textilien, die im Innenbereich verwendet wurden, als Wandbehänge, Vorhänge oder auch Decken. Aussergewöhnlich sind dabei hauchzarte Schleierstoffe mit bunten Seideneinsätzen, oder gewebte Schmuckelemente aus kaiserlichem Purpur und Gold. Geordnet sind diese textilen Schätze aus der Sicht ihrer Herstellung mit Pinsel, Schiffchen oder Fadenknäuel, den wichtigsten Utensilien, die für die unterschiedlichen Techniken stehen.
Texte français sur demande
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Wie farbenprächtige, technisch raffinierte und zum Teil auch grosse Textilien aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung erhalten sind, ist viel zu wenig bekannt. Meist wurden sie in Ägypten gefunden und entstammen den ausgedehnten Gräberfeldern der spätantiken bis frühislamischen Zeit. Landläufig sind sie als "koptische" Gewebe bekannt. Da dieser Begriff in Religion und Kunst jedoch die Zeit bis in unsere Gegenwart umfasst, wird er für Objekte des ersten Jahrtausends n. Chr. immer weniger verwendet.
Die diesjährige Sonderausstellung der Abegg-Stiftung, «Pinsel, Schiffchen, Fadenknäuel Spätantike Textilien aus Ägypten und ihre Herstellung» widmet sich diesen Geweben. Gezeigt wird eine Auswahl der reichen Bestände, darunter nicht weniger als drei vollständige Tuniken, Gewandfragmente, Teile von Vorhängen, von Behängen, die unter anderem als Raumteiler verwendet wurden, von Polsterstoffen, kostbaren Bändern und von bis auf über 7 m Breite rekonstruierbaren Wandbehängen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den verschiedenen Möglichkeiten, Gewebe herzustellen und zu verzieren. Pinsel, Weberschiffchen und Fadenknäuel sind dabei wichtige Utensilien. Sie stehen für das Bemalen von Stoffen, das Weben von komplexen Bindungen und für das Wirken Techniken, die in der Ausstellung erklärt werden.
Die Ausstellung eröffnet überraschende Perspektiven. Sie zeigt, wie eng gerade bei Textilien Herstellungsweise und Funktion zusammenhängen und bietet gleichzeitig Einblicke in die Methode der Bestimmung von Fragmenten. Die Tunika beispielsweise, das meistgetragene Gewand jener Epoche, hatte eine ganz eigene Herstellungsweise: In ihrer Gesamtform war sie einfaches Viereck oder besass Kreuzform je nach dem, ob sie Ärmel besass, oder nicht. Beim Weben lag sie im Vergleich zum getragenen Zustand quer, denn so liess sich das klare und relativ genau festgelegte System des Dekors wesentlich leichter erstellen. Die Ausstellung macht die imponierende Grösse eines solchen Gewandes als Webfläche ca. 2,60 auf 2,70 m augenfällig, denn eine Tunika ist in voller Fläche ausgebreitet zu sehen. In Kenntnis der Webweise können viele Fragmente als Reste von Tuniken bestimmt werden, und so wird die grosse Vielfalt spätantiker Kleidung erkennbar: Verwendet wurden Leinen-, Woll-, aber auch Seidengewebe, bisweilen von fast unvorstellbarer Zartheit. Sie können mit geometrischen Mustern, einzelnen Figuren, aber auch einem Bilderzyklus aus dem Leben Marias geschmückt sein. Nach wie vor beliebt sind mythologische Themen. Zwei Tuniken werden so gezeigt, wie sie damals getragen wurden: Die eine ist ein schweres, strenges, fast mantelartiges Gewand, die andere eine leichte, elegante Wolltunika mit Würfelmuster.
Die Sicherheit, mit der Tunikafragmente identifiziert werden können, ermöglicht es auch, Fragmente von Textilien mit ehemals anderer Verwendung davon abzusetzen. So zeigt die Ausstellung auch Polsterstoffe von teils enormer Grösse. In einem Fall waren auf der Rückseite sogar noch mikroskopisch kleine Federreste nachzuweisen. Gewebt in einer komplexen Technik, führen die Stoffe in einem "endlosen" Flächenmuster Tierfriese oder geometrisch gefasste Motive vor. Auch Teile von Vorhängen sind wahrscheinlich zu machen, ebenso von weiteren Behängen. Zu ihnen gehören zwei Neuerwerbungen: quadratische, farblich höchst differenzierte, gewirkte Tafeln mit den büstenförmigen Personifikationen von Frühling und Sommer. Sie zählen zum Beeindruckendsten, was die Wirkereikunst der damaligen Epoche hervorbrachte.
Eine besondere Form von Ausstattungsluxus schliesslich sind die grossen Wandbehänge. Sie müssen in repräsentativen Stadthäusern und reichen Villen auf dem Land gehangen haben. Im Falle eines grossen Wandbehanges mit biblischem Zyklus ist auch an eine Kirche zu denken. Die zwei verschiedenen Maltechniken auf Stoff, die bei grossen Behängen eingesetzt wurden, runden das Bild der hochstehenden Textilkunst ab, die gerade wenn es um Wanddekor geht gleichwertig neben der Malerei und der Mosaikkunst steht.
Texte français sur demande
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