2005
Fürstliche Interieurs
Dekorationstextilien des 18. Jahrhunderts

24. April – 13. November 2005
täglich von 14.00 bis 17.30 Uhr

Luxuriöse Dekorationstextilien, die in fürstlichen Residenzen zur Raumausstattung dienten, sind das Thema der neuen Sonderausstellung der Abegg-Stiftung. Präsentiert werden Glanzstücke wie die prachtvollen Wandbespannungen, mit denen auch Kaiserin Joséphine von Frankreich oder Katharina die Grosse von Russland ihre Gemächer schmücken liessen.

Im 18. Jahrhundert kam Textilien bei der Gestaltung von Innenräumen eine zentrale Rolle zu. Sie wurden als Wandbespannungen, Vorhänge, Bettdekorationen, Paravents, Kaminschirme sowie als Bezüge für Polstermöbel verwendet und trugen zum harmonischen Gesamtbild eines Interieurs bei.

Die Ausstellung veranschaulicht die grosse Vielfalt an Materialien, Techniken und Dekors der textilen Ausstattung. Sie zeigt neben Geweben aus Seide und Wolle auch Stickereien, Ledertapeten und bemalte Seiden aus China. Zu den Höhepunkten der Sonderausstellung 2005 gehören aufwendig gemusterte Seidengewebe, die mit den mächtigsten Fürstenhäusern Europas in Verbindung gebracht werden können.

Texte français sur demande

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Die Sonderausstellung der Abegg-Stiftung Fürstliche Interieurs – Dekorationstextilien des 18. Jahrhunderts zeigt luxuriöse Stoffe, die zur Raumausstattung dienten. Darunter befinden sich Glanzstücke wie die prachtvollen Wandbespannungen, mit denen auch Katharina die Grosse von Russland oder Kaiserin Joséphine von Frankreich ihre Gemächer schmücken liessen.

Textilien spielten im 18. Jahrhundert bei der Gestaltung von Innenräumen eine zentrale Rolle. Sie wurden als Wandbespannungen, Vorhänge, Bettdekorationen, Paravents, Kaminschirme sowie als Bezüge für Polstermöbel verwendet und trugen zum harmonischen Gesamtbild eines Interieurs bei. Wegen ihrer Fragilität und der wechselnden Moden sind Dekorationstextilien heute nur selten an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort erhalten. Die Sammlung der Abegg-Stiftung enthält etwa 200 Textilien, die für die Innendekoration fürstlicher Residenzen gedacht waren. Eine Auswahl davon, aus der Zeit von 1670–1800, ist in der neuen Sonderausstellung zu sehen.

TEXTILE VIELFALT
Die Ausstellung veranschaulicht die grosse Vielfalt an Materialien, Techniken und Dekors der textilen Ausstattung. Sie zeigt neben Geweben aus Seide und Wolle auch Stickereien, Leder, Flocktapeten und bemalte Seiden aus China. Der vorgesehene Verwendungszweck bestimmte Material und Technik. Oftmals spielten aber auch Tradition und klimatische Bedingungen eine Rolle. So wurde in Spanien oft Leder verwendet, während in kälteren Regionen, z.B. in England, häufiger Wollgewebe nachweisbar sind. Mit den sogenannten Flocktapeten konnten die teuren Seidensamte imitiert werden. Bei dieser Technik bestäubte man ein mit Haftmittel präpariertes Trägermaterial mit feinem Wollfaserstaub. Sehr beliebt waren bemalte Seiden aus China. Mit ihren exotischen und verspielten Darstellungen von bunten Blumen, Vögeln und Schmetterlingen eigneten sie sich für die Ausstattung von Schlafgemächern und Lustschlössern. Für eine vollendete Innenausstattung waren schliesslich auch Borten und Quasten wichtig. Repräsentiert werden sie in der Ausstellung durch eine aufwendige Schmuckborte, die eindrücklich Komplexität und Formenreichtum dieser textilen Gattung vor Augen führt.

EINHEITLICHE RAUMGESTALTUNG
Im 18. Jahrhundert war es Mode, für sämtliche textilen Elemente eines Raumes denselben Stoff oder zumindest farblich und im Muster aufeinander abgestimmte Stoffe zu verwenden. Diese sogenannte en suite-Ausstattung erforderte oft Sonderanfertigungen. Neben grossformatigen Motiven für Wandbespannungen entstanden in Grösse und Form einem Sitzpolster oder einer Rückenlehne angepasste Kompositionen. Manchmal wurden auch Stickereien nach dem gleichen Dekorentwurf wie die Wandbespannung in Auftrag gegeben. Solche als Gesamtkunstwerke konzipierten textilen Dekorationen konnten sich nur Fürsten und reiche Adelige leisten. Als eigentliche Statussymbole brachten sie Macht, Reichtum und soziales Ansehen eines Hauses zum Ausdruck.

FÜRSTLICHE AUFTRAGGEBER
Zu den Höhepunkten der Sonderausstellung 2005 gehören aufwendig gemusterte Seidengewebe, die mit den mächtigsten Fürstenhäusern Europas in Verbindung gebracht werden können. Der gelbgrundige Stoff mit Fasan und Schwan beispielsweise gefiel Katharina der Grossen von Russland. Sie liess einen ganzen Salon ihrer Sommerresidenz damit auskleiden. Ein weiteres prominentes Beispiel für eine Verwendung in einer fürstlichen Residenz ist das hellgrundige Seidengewebe mit Blattranken, welche spitzovale Felder bilden und Motive wie ein Rebhuhn oder Musikinstrumente rahmen. Es wurde um 1789 möglicherweise für Königin Marie-Antoinette hergestellt. Zum Einsatz kam der Stoff jedoch erst 1805, bei der Ausstattung des Schlafzimmers von Kaiserin Joséphine in Schloss Fontainebleau.