Seidengewebe des 18. Jahrhunderts II
Naturalismus

Anna Jolly
Gewebeanalysen: Vendulka Otavskà


Im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts brachte die europäische Mode Seidengewebe mit einer überwältigenden Vielfalt malerischer Dekors hervor. Während einer nur etwa zwanzig Jahre dauernden Stilphase entstanden Kompositionen mit phantastischen Pflanzenmotiven, Ansichten von Parkanlagen und Landschaften sowie pastoralen Figurenszenen. Diese für die fürstlichen Höfe und die gehobene Gesellschaft bestimmten Stoffe wurden in den Zentren der Seidenindustrie, insbesondere in Lyon, hergestellt. Mittels der hoch entwickelten Webtechnik des Zugwebstuhls konnten die komplexen Entwürfe bis in die feinsten Nuancen dargestellt werden. Heute zählen diese Gewebe zu den Höhepunkten des europäischen Kunsthandwerks.

Mit diesem Band liegt der zweite Bestandskatalog der Abegg-Stiftung zu den Seidengeweben des 18. Jahrhunderts vor. Erstmals werden sämtliche in der Sammlung bewahrten Seidengewebe im naturalistischen Stil aus der Zeit um 1725 bis 1750 vorgestellt. Hierzu gehören sowohl einzelne Bahnen und grössere Decken als auch weltliche und liturgische Gewänder und Gewandteile.

In einer breit angelegten Einführung werden in verschiedenen Kapiteln die Grundlagen der Forschung, die Bedeutung der selten erhaltenen Entwurfszeichnungen, die Stilentwicklung der Dekors und die ehemalige Verwendung der Seiden erläutert. Ein Blick auf ähnliche Entwicklungen in anderen Kunstgattungen rundet das Bild ab. Im anschliessenden Katalogteil werden alle Gewebe beschrieben und kunsthistorisch eingeordnet. Die Ergebnisse der webtechnischen Analysen und eine ausführliche Bibliographie vervollständigen den reich bebilderten Band.

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