
Seit dem ausgehenden 7. Jahrtausend entwickelte sich im Südwesten Anatoliens eine vielfältige jungsteinzeitliche Kultur. Ihren bedeutendsten Ausdruck fand sie in kunstvoll gearbeiteten Tonwaren, die den Beginn der technisch hochstehenden Gefässkeramik des Mittelmeerraums bezeichnen. Eine Besonderheit stellen bemalte Gefässe in Menschengestalt dar. Hüfte und Oberschenkel werden durch den weit ausladenden Bauch des Gefässes verkörpert. Die Arme sind als Henkel geformt, die Ausgüsse bilden das Gesicht. | Anatolien, 5900–5600 v. Chr., Irdenware, bemalt, H. 32 cm, Inv. Nr. 3.113.72
Close up
Auf der Grundlage von Landwirtschaft, Fischfang und Metallbearbeitung entfaltete sich im 3. Jahrtausend v. Chr. auf der Inselgruppe der Kykladen im Ägäischen Meer eine bedeutende bronzezeitliche Kultur. Sie zeichnete sich künstlerisch durch die hochentwickelte Fähigkeit zur Marmorbearbeitung aus. Zu den charakteristischsten Erzeugnissen der frühen Kykladenkultur gehören figürliche Idole mit stark stilisierten Körperformen, die teilweise nahezu Lebensgrösse erreichten. Sie wurden wohl vor allem im Grabkult verwendet. | Kykladen, 2700–2400 v. Chr., Marmor, H. 16 cm, Inv. Nr. 10.58.66

Der Falke ist eines der wichtigsten göttlichen Tiere Ägyptens. Er verkörpert den Himmelsgott Horus und dessen Stellvertreter auf Erden, den König. In der späten Pharaonenzeit gewann die kultische Verehrung der Falken immer grössere Bedeutung. Die Tiere wurden kunstvoll mumifiziert und auf eigenen Friedhöfen bestattet. In Grabkammern und Tempeln wurden vielfach auch Bronzefiguren der Tiere als Weihegeschenke niedergelegt. | Ägypten, 7.–4. Jahrhundert v. Chr., Bronzehohlguss, graviert, H. 19 cm, Inv. Nr. 10.19.63

Im 3. Jahrtausend v. Chr. erreichte die Herstellung von Steingefässen im Alten Ägypten einen unübertroffenen Höhepunkt. Die kunstvoll gearbeiteten Gefässe dienten zur Aufnahme kostbarer Salben und Essenzen. Sie wurden sowohl im religiösen Kult als auch für Medizin und Kosmetik verwendet. Viele waren darüber hinaus mit Inschriften versehen, die ihnen den Charakter eines Festgeschenks verliehen. Der kleine Alabasterbecher trägt den Namen des Königs Pepi I. und wurde zum einjährigen Regierungsjubiläum des Königs gestiftet. | Ägypten, um 2250 v. Chr., Alabaster, H. 14 cm, Inv. Nr. 6.31.68

Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. entwickte sich in den metallreichen Bergregionen im Westen und Nordwesten des Iran die Kunst der Metallverarbeitung. In der frühen Eisenzeit, etwa ab 1300 v. Chr., setzte die Herstellung von Metallgerät in grossem Umfang ein. Es entstand eine Fülle verschiedener Schmuckformen und Gerätetypen, die von lokalen Werkstätten gefertigt wurden. Unter den Gefässen nehmen die sog. Knopfbecher eine besondere Stellung ein. Ihr figürlicher Schmuck lässt Einflüsse der assyrischen und babylonischen Hofkunst erkennen. | Iran, 10.–9. Jahrhundert v. Chr., Bronze, getrieben, H. 12,5 cm, Inv. Nr. 8.194.72

Das Goldband besteht aus feinsten Drahtösen, die zu Doppelschlaufen gebogen und zu langen Ketten miteinander verbunden sind. Die nebeneinander liegenden Kettenglieder werden jeweils durch quer verlaufende Drahtschlaufen zusammengehalten. Die Enden sind mit Drahtflechtbändern und kleinen Dreiecken in Granulationsarbeit verziert. Das Band diente wohl als Teil eines Gürtels, der durch Stoff- oder Lederstreifen ergänzt und verschlossen werden konnte. | Iran, 8.–7. Jahrhundert v. Chr., Golddraht, Granulation, L. 49,5 cm, B. 4,5 cm, Inv. Nr. 8.121.65

Das Relieffragment stammt aus dem Palast des assyrischen Königs Assurnasirpal II. (883–859 v. Chr.) in Nimrud im nördlichen Irak. Es zeigt den Kopf eines Schutzgottes, der zur Begleitung des Königs bei rituellen Handlungen gehört. Der Genius ist mit Flügeln versehen und trägt einen gehörnten Helm. Haupt- und Barthaar sind in Locken gedreht. Ein zylindrischer Ohring und eine Halskette dienen als Schmuck. In Nimrud waren nahezu alle Innenräume des Palasts mit reliefierten oder bemalten Alabasterplatten ausgekleidet. | Nimrud, 883–859 v. Chr., Alabaster, H. 59 cm, B. 62 cm, Inv. Nr. 12.2.63

Für Trankopfer vor den Götterbildern oder beim festlichen Mahl verwendete man im Alten Orient häufig kostbare Gefässe. Besonders beliebt waren Becher in Gestalt von Tieren oder Tierköpfen. Das Lapislazuligefäss ist oben mit einer Einfüllöffnung und vorn mit einem kleinen Ausguss versehen, durch den die Flüssigkeit in eine Trinkschale geleitet werden konnte. Die Kostbarkeit des Materials und die strenge Stilisierung der Formen sind charakteristisch für die iranische Kunst unter der Herrscherdynastie der Achaemeniden. | Iran, 6.–5. Jahrhundert v. Chr., Lapislazuli, Gold, H. 18 cm, Inv. Nr. 6.7.63

In der chinesischen Frühzeit kam dem Ahnenkult herausragende Bedeutung zu. Herrscher- und Adelsfamilien betrieben die Verehrung ihrer Vorfahren mit enormem Aufwand. Das kostbare Bronzegefäss diente zur Aufnahme von Speisen, die den Ahnen als Opfergaben dargebracht wurden. Es war vor allem für gekochten Reis, Hirse und Getreide aller Art bestimmt. Seine beiden Henkel sind als Drachenwesen gestaltet. Der Gefässbauch zeigt stilisierte Tierreliefs vor dicht graviertem Grund. | China, 11.–10. Jahrhundert v. Chr., Bronze, gegossen, H. 14 cm, Inv. Nr. 8.397.01

Bereits lange vor unserer Zeitrechnung blühte die Seidenweberei in China. Die komplex gemusterten Stoffe zeigen kleinteilige, vielfach variierte Muster mit stilisierten Drachen, Vierfüsslern und Vögeln. Farbige Streifen verleihen dem Muster zusätzliche Dynamik, wobei die orangeroten Fäden mit Zinnoberpigment eingefärbt wurden. Mehrere aneinandergenähte Stoffbahnen bildeten eine grosse Decke, die ursprünglich wattiert und gefüttert war. | China, Zeit der Streitenden Reiche, 4.–3. Jahrhundert v. Chr., Seidengewebe (Kettkompositbindung), Höhe Musterrapport 4 cm, Inv. Nr. 5302/5304

Das nur teilweise erhaltene Gewand lässt sich nicht mehr in seiner dreidimensionalen Form rekonstruieren. Das Seidengewebe wird bevölkert von Vierfüsslern und Vögeln in einer stilisierten Bergketten- oder Wolkenband-Landschaft, die an das Paradies gemahnt. Dazwischengestreut sind chinesische Schriftzeichen. Sie drücken Hoffnungen und gute Wünsche aus und verstärken die visuelle Botschaft der Darstellungen in formelhafter Weise. | China, Östliche Han-Dynastie, 1.–2. Jahrhundert, Seidengewebe (Kettkompositbindung), Höhe Musterrapport 8,5 cm, Inv. Nr. 5301/5303/5336

In leuchtendbunter Farbigkeit schreiten ornamental stilisierte Hirsche in Prozession hintereinander her. Jeder zweite trägt einen Vogel auf dem Rücken, der, ambivalent, auch als Flügel verstanden werden kann, der in einem Vogelkopf ausläuft. Vergleichbare Wirkereistreifen und vollständig erhaltene Röcke wurden im Gräberfeld von Shanpula am Südrand der Taklamakan-Wüste gefunden. | Östliches Zentralasien (Xinjiang), 3.–1. Jahrhundert v. Chr., Wolle (Schlitzwirkerei, Diagonalgeflecht), H. 51 cm, B. 102,5 cm, Inv. Nr. 5157

Abegg-Stiftung, Fragment eines Rockes, Östliches Zentralasien, 3.–1. Jahrhundert v. Chr., Inv. Nr. 5157

The volume is dedicated to unique textiles thought to come from a burial ground near Shanpula, located on the southern edge of the Taklamakan Desert. It comprises a catalogue section listing all relevant pieces in the Abegg-Stiftung collection.
Riggisberger Berichte 10 | With contributions by E. C. Bunker, J. H. Hofenk de Graaff, D. Keller, R. Knaller, R. M. R. van Bommel, Wang Bo, Xiao Xiaoyong | 256 p., 118 illus, paperbound, 23 x 31 cm, 2001, 2nd printing 2003, ISBN 3-905014-17-3

Höchst ungewöhnlich ist der Bogenschütze zu Pferd, der ein geflügeltes Fabelwesen mit Tierkörper und bärtigem Menschenkopf verfolgt und dabei von einem Raubvogel begleitet wird. Die Darstellung beruht auf mythologischen Traditionen Westasiens, hat hier aber eine der Steppenkultur angepasste Form gefunden, ausdrucksvoll stilisiert und gleichzeitig, zum Beispiel in der Kleidung des Reiters, erstaunlich realitätsnah. | Östliches Zentralasien (Xinjiang), 1.–3. Jahrhundert, Wolle (Schlitzwirkerei, Diagonalgeflecht), H. 47 cm, B. 92 cm, Inv. Nr. 5138

Abegg-Stiftung, Wirkereistreifen mit Reitern, Östliches Zentralasien, 1.–3. Jahrhundert, Inv. Nr. 5138

The volume is dedicated to unique textiles thought to come from a burial ground near Shanpula, located on the southern edge of the Taklamakan Desert. It comprises a catalogue section listing all relevant pieces in the Abegg-Stiftung collection.
Riggisberger Berichte 10 | With contributions by E. C. Bunker, J. H. Hofenk de Graaff, D. Keller, R. Knaller, R. M. R. van Bommel, Wang Bo, Xiao Xiaoyong | 256 p., 118 illus, paperbound, 23 x 31 cm, 2001, 2nd printing 2003, ISBN 3-905014-17-3

Reihen von Enten sind auf einen Ton in Ton gehaltenen, damastartigen Grundstoff gestickt. Warum sie auf Teilen des Tuches um 90 Grad gedreht wurden, ist unbekannt. Denkbar wäre allenfalls, dass die Streifen zum Auseinanderschneiden und zur liegenden bzw. stehenden Verwendung gedacht waren. Am rechten Rand, der originalen Stickereikante, befindet sich der einzige andere Vogel, vielleicht ein Pfau. | Östliches Zentralasien, 7.–8. Jahrhundert, Seidenstickerei auf Leinwand-Köper-Damast, H. 52,5 cm, B. 131,5 cm, Inv. Nr. 4902

Abegg-Stiftung, Stickerei mit Enten, östliches Zentralasien, 7.–8. Jahrhundert, Inv. Nr. 4902

Neben ruhenden Löwen und Elefanten zeigt das Muster dieses Stoffes auch Kamelführer. Sie sind mit dem chinesischen Schriftzeichen 胡«hu» bezeichnet, das in der Regel mit «Barbar» übersetzt wird, aber in einem weiteren Sinne für die Nachbarvölker im Westen generell stehen konnte. Vielleicht stellt das Bild einen der Händler auf der Seidenstrasse dar. Schwer beladene Kamele wurden in der Tang-Zeit zum Symbol für Luxusgüter, die aus dem Westen kamen, so dass eine solche Darstellung auf einem Seidengewebe dessen Kostbarkeit geradezu potenziert. | China, Nördliche Dynastien oder Sui-Dynastie, 5.–7. Jahrhundert, Seidengewebe (Kettkompositbindung), H. 19,5 cm, B. 39 cm, Inv. Nr. 5269 a–c

Die monumentale Bildwirkerei ist ein herausragendes Zeugnis für die Ausstattung spätantiker Innenräume. Sie diente einst als Wandbehang in einem römischen Privathaus oder einem Kultgebäude. Das Bildprogramm zeigt Dionysos, den griechischen Gott des Weins und der Ekstase, mit seinem Gefolge unter reich geschmückten Bogenstellungen. Der Dionysoskult war in der Spätantike weit verbreitet. Er versprach seinen Anhängern ein Weiterleben nach dem Tod. Zugleich brachte er den Wunsch nach einem Leben in Glück und Überfluss zum Ausdruck. | Ägypten, 4. Jahrhundert, Wollwirkerei auf Leinengrund, H. 210 cm, B. ca. 700 cm, Inv. Nr. 3100a

Abegg-Stiftung, Dionysosbehang, Ägypten, 4. Jahrhundert, Inv. Nr. 3100a

Der Dionysosbehang der Abegg-Stiftung gehört zu den grössten und bedeutendsten Bildwirkereien, die aus der Spätantike noch erhalten sind. Er wird erstmals in einer umfassenden monographischen Arbeit gewürdigt. Dietrich Willers widmet sich von archäologischer Seite den Darstellungen des Behangs und ihrer Deutung. Bettina Niekamp behandelt grundlegende Fragen zu Technik und Material sowie zum Herstellungsablauf vom Entwurf über die Wirkvorlage bis zur Ausführung. Ausserdem wird die Restaurierungsgeschichte des Behangs vorgestellt.
Riggisberger Berichte 20 | 272 S., 200 Abb., 32 Tafeln, 1 Falttafel, brosch., 23 x 31 cm, 2015, ISBN 978-3-905014-53-2

Im Zentrum des Behangs steht Artemis, die Göttin der Jagd, in ihrem Tempel. Die Göttin erscheint eilend, mit weitem Ausfallschritt, und ist mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Darstellung ist in Reservetechnik ausgeführt. Dabei wurde ein leichtes, dünnes Leinengewebe mit einer Paste aus Harz und Wachs bemalt. Anschliessend wurde der Stoff in ein Färbebad getaucht, wobei die bemalten Stellen keine Farbe annahmen und hell ausgespart blieben. Die Technik erlaubte es, die Darstellung von beiden Seiten des Behanges zu betrachten. | Ägypten, 4.–6. Jahrhundert, Leinengewebe, Reservetechnik, H. 194 cm, B. ca. 600 cm, Inv. Nr. 1397

Abegg-Stiftung, Artemisbehang, Ägypten, 4.–6. Jahrhundert, Inv. Nr. 1397

Das kleine, dünnwandige Gefäss hat eine einfache zylindrische Form mit flachem Fuss, schmalem Hals und feinen, spitzen Henkeln. Es wurde aus einem Block glasklaren Bergkristalls geschliffen und ist mit einem goldenen Stöpsel als Verschluss versehen. Feine Goldketten dienen zum Aufhängen. Der kostbare Behälter dürfte einst im Besitz einer reichen Römerin gewesen sein. Er war vermutlich zur Aufnahme duftender Salben und Essenzen bestimmt. | Östlicher Mittelmeerraum, 1. Jahrhundert, Bergkristall, Gold, H. 8,4 cm, Inv. Nr. 9.45.81

Das Muster der Seide zeigt den phantastischen Triumphzug des Nil, dessen Schwemme in Ägypten jedes Jahr feierlich begangen wurde. Der Nil erscheint als Personifikation in bärtiger, beleibter Gestalt. Er sitzt in einem Wagen, der von Kindern an Girlanden gezogen wird. Davor sind Delphine, Krokodile, Meerungeheuer und Wasservögel dargestellt. Zwischen ihnen tummeln sich Fische und kleine Eroten, die angeln, rudern oder auf Nilpferden reiten. | Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, Anfang 4. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), H. 82 cm, B. 111 cm, Inv. Nr. 2187

Für die Herstellung von Textilien wurden in der Spätantike vor allem Leinen und Wolle verwandt. Seide war ein Luxusgut, das bis ins 6. Jahrhundert aus China importiert werden musste. Die Fragmente der Tunika gehören zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen spätantiker Seidengewänder. In ihnen erreichte der spätantike Kleiderluxus seinen Höhepunkt. Das Muster zeigt kreisrunde Rankenmedaillons mit kleinen Eroten, die Früchtekörbe, Tiere oder Musikinstrumente in den Händen halten. | Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, 1. Hälfte 4. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), H. 154,5 cm, B. 100,5 cm, Inv. Nr. 3945

Der Wandbehang gehört zu den wenigen Zeugnissen der Malerei auf Textil, die aus der Spätantike überliefert sind. Das Leinentuch wurde im Ganzen dunkelblau gefärbt und anschliessend in Weiss, Gelb, Rot und Braun bemalt. Die Malereien zeigen Ereignisse des Alten Testaments. Die Szenenfolge beginnt mit der Erschaffung Adams und Evas im Paradies und reicht bis zur Errettung der Israeliten nach dem Durchzug durch das Rote Meer. Sie bildet einen der frühesten erhaltenen ausführlichen Bilderzyklen des Alten Testaments. | Ägypten, 2. Hälfte 4. Jahrhundert, Leinengewebe, Temperamalerei, H. 146 cm, B. 436 cm, Inv. Nr. 4185

Der Behang gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen früher Bibelillustration. In der Publikation wird er mit einer kunsthistorischen Erörterung sowie mit Beiträgen über die mal- und kunsttechnologische Untersuchung und die Restaurierung vorgestellt.
Riggisberger Berichte 11 | Mit Beiträgen von M. Flury-Lemberg und U. Schießl | 240 S., 180 Abb., brosch., 23 x 31 cm, 2004, ISBN 3-905014-27-0

Das becherartige Gefäss diente wohl als Lampe zur Beleuchtung des Altars. Bei dieser Lampenform wurde zunächst Wasser eingefüllt, anschliessend wurde Öl aufgegossen und ein Docht mit einem Schwimmer eingesetzt. Die umlaufende Inschrift am oberen Rand nennt einen römischen Beamten namens Sergius als Stifter. Er hatte die Lampe zur Einlösung eines Gelübdes für sich und seine Familie anfertigen lassen. Derartige Opfergaben waren Geschenke an die Kirche – als Zeichen des Dankes für die Errettung aus einer Notlage. | Syrien (Antiochia), 574–578, Silber, getrieben, vergoldet, nielliert, H. 14,5 cm, Inv. Nr. 8.114.64

Der Behang zeigt ein Muster aus Rankenmedaillons mit Flügelpferden. Die Tiere sind jeweils mit einer streng geometrischen Fellzeichnung versehen und tragen weisse, flatternde Bänder um Nacken und Fesseln. Muster und Motive des Behangs gehen auf Vorbilder spätantiker Seidengewebe zurück, wie sie vor allem im sasanidischen Persien hergestellt wurden. Seit dem 3. Jahrhundert war dort unter der Herrscherdynastie der Sasaniden ein neues Grossreich entstanden, dessen Kunst und Kultur auf den gesamten Orient ausstrahlte. | Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, 4.–6. Jahrhundert, Wollwirkerei, H. 250 cm, B. 158 cm, Inv. Nr. 2191

Die Kasel stammt aus der Benediktinerabtei St. Peter in Salzburg, wo sie als Messgewand des heiligen Bischofs Vitalis verehrt worden war. Der grüne Seidenstoff zeigt ein Muster aus kreisrunden Medaillons, die mit Greifen- und Pantherpaaren gefüllt sind. Die Goldborten an Halsausschnitt und Mittelnaht sind mit Steinschmuck und Perlen verziert. Ihre kunstvolle Technik und die ferne Herkunft liessen östliche Seidenstoffe im Westen zu hochgeschätzten Kostbarkeiten werden, die ihren Trägern Würde, Rang und Ansehen verliehen. | Byzanz oder Vorderer Orient, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), Brettchengewebe, Perlen, Steinschmuck, H. 152,5 cm, Inv. Nr. 232

Abegg-Stiftung, Vitaliskasel, Byzanz oder Vorderer Orient, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Inv. Nr. 232

Lüsterkeramiken mit figürlichen Szenen gehören zu den aussergewöhnlichsten Schöpfungen der ägyptischen Kunst unter der Dynastie der Fatimiden (969–1171). Für die Lüsterbemalung wurden Farben mit Silber- und Kupferanteilen verwandt, die das Gefäss mit einer dünnen, glänzenden Metallschicht überzogen. Die Malereien sind von grosser Lebendigkeit und Ausdruckskraft. Sie erscheinen als freie Pinselzeichnung, ausgespart vor lüsterfarbenem Grund. Ihr Thema – die Falkenjagd – spiegelt das Leben am fatimidischen Hof wider. | Ägypten, 10.–11. Jahrhundert, Irdenware, Lüsterbemalung, Dm. 24 cm, Inv. Nr. 3.101.68

Der Seidenstoff zeigt ein Muster aus grossen Achteckfeldern, in denen Reiter mit Falken zu seiten eines Rankenbaumes erscheinen. Die Darstellung zeichnet sich durch grossen ornamentalen Reichtum und Feinheit der Linienführung aus. Barttracht und Lockenfrisur der Reiter, der Schnitt ihrer Roben, die reich verzierten Stulpenstiefel sowie Satteldecke, Zaumzeug und Schmuck der Pferde sind mit grosser Freude am Detail wiedergegeben. | Iran, 11. Jahrhundert, Seidengewebe (Doppelgewebe, lanciert), H. 152 cm, B. 117 cm, Inv. Nr. 1143

Neben Byzanz und dem Orient war das islamische Spanien ein wichtiges Zentrum der mittelalterlichen Seidenweberei. In Almería, Granada und Córdoba entstanden Luxusstoffe, die auch im christlichen Teil Spaniens hoch geschätzt waren. Der Greifenstoff stammt aus dem Schrein der heiligen Librada in Sigüenza. Die Reliquien der Heiligen wurden zwischen 1147 und 1157 aus dem islamischen in den christlichen Teil Spaniens überführt. Der Greifenstoff gehörte zu den kostbaren Geweben, die dabei zur Umhüllung der Reliquien verwendet wurden. | Spanien, 1. Hälfte 12. Jahrhundert, Seidengewebe (Lampas), H. 137 cm, B. 59 cm, Inv. Nr. 2656/2660

Im Hochmittelalter war Limoges ein blühendes Zentrum zur Herstellung von kirchlichem Gebrauchsgerät mit emailliertem Dekor. Neben kleinformatigen Gegenständen wurden dort auch monumentale Reliquienschreine und Altarverkleidungen angefertigt. Das Relief der beiden trauernden Frauen gehörte einst zu einer Kreuzigungsszene, die neben den Marien auch Johannes unter dem Kreuz umfasste. Vermutlich war sie Teil einer Bilderfolge der Passion Christi, die auf einem Schrein oder Altarvorsatz mit Emailschmuck angebracht war. | Limoges, 1240–1250, Kupfer, getrieben, vergoldet, H. 24,1 cm, Inv. Nr. 8.59.63

Der reich bebilderte Band behandelt die kleine, aber künstlerisch hochrangige Sammlung Limousiner Emailarbeiten in der Abegg-Stiftung. Die Gruppe vereint nahezu alle Techniken, die der Limousiner Goldschmiedekunst des 12. und 13. Jahrhunderts vertraut waren. Vorgestellt werden unter anderem drei Kästchen, zwei Krummstabspitzen, eine Pyxis sowie figürliche Reliefs und zwei Beschlagplattten eines Kreuzes.
Monographien der Abegg-Stiftung 16 | 126 S., 37 Abb., brosch., 18 x 22,5 cm, 2011, ISBN 978-3-905014-47-1

Die Mitra ist ein bischöfliches Amtsinsigne, das auch Äbten zu tragen gestattet ist. Die Äbte der Salzburger Erzabtei St. Peter erhielten dieses Privileg 1231. Bei der Herstellung der Mitra scheint man gezielt auf bereits als alt und ehrwürdig geltende Textilien zurückgegriffen zu haben. Dies gilt sowohl für das weisse Hauptgewebe und zwei Sorten sehr feiner Goldborten, insbesondere aber für die Behänge aus einem starkfarbig gemusterten Brettchengewebe, das zentralasiatischen Ursprungs ist. | Salzburg, um 1231, Seide, Goldfäden, Silberperlen, H. 77 cm, Inv. Nr. 233

Rund einhundert Mitren des 12. bis 14. Jahrhunderts haben sich in den kirchlichen Schatzkammern Europas sowie in öffentlichen Sammlungen und Museen weltweit erhalten. Die Studie stellt die historische Entwicklung der Mitra und ihre charakteristischen Schmuckelemente vor. Ihre künstlerische Ausstattung erlaubt es in vielen Fällen, sie aufgrund technologischer Übereinstimmungen einem bestimmten Produktionszentrum zuzuweisen. Der reich bebilderte Katalogteil stellt die einzelnen Werke ausführlich vor, ordnet sie kunsthistorisch ein und verzeichnet die nach textiltechnologischen Kriterien aufgenommenen verwendeten Gewebe, Borten und Stickereien.
396 S., 273 Abb., leinengeb., 23 x 31 cm, 2012, ISBN 978-3-905014-51-8

Die Krone besteht aus weissen Seidenbändern mit gestickten Medaillons. Diese zeigen ein Lamm Gottes, zwei Engel, einen König und auf dem Scheitel ein Sinnbild der Dreifaltigkeit. Genau solche Bilder haben auch die Kopfbedeckungen, die Hildegard von Bingen in ihren Schriften als Schmuck der Jungfrauen beschreibt. Sie wurden über dem Schleier getragen. Die hier gezeigte Nonnenkrone ist die einzige erhaltene des Mittelalters. Sie ist einer jüngeren blauen Samthaube aufgesetzt. Damit konnte das textile Krönchen, das als Reliquie der hl. Hildegard von Bingen betrachtet wurde, den Gläubigen zur Verehrung gezeigt werden. | Bortenkrone: Kloster Rupertsberg, 1170er Jahre; blaue Samthaube: Trier, frühes 17. Jahrhundert, Seidenbänder, Goldborten, Stickerei mit Gold-, Silber- und Seidenfäden, H. 17 cm, Inv. Nr. 5257

Schon seit dem Frühmittelalter wurde Nonnen bei der Jungfrauenweihe nicht nur der Schleier, sondern auch ein Kranz oder eine Krone übergeben. In ihrem grossen Visionswerk Scivias beschreibt Hildegard von Bingen Mitte des 12. Jahrhunderts einen Kopfschmuck der Jungfrauen. Sie entwirft ein umfassendes Bildprogramm, das sich in den kostbaren Stickereien einer Bortenkrone in der Abegg-Stiftung unmittelbar wiederfindet. Es handelt sich dabei um jene Reliquie, die in Trier als Krone der Visionärin verehrt wurde. Die Monographie zeichnet die Geschichte dieser einzigartigen textilen Krone nach. Zugleich bietet sie Einblick in die Vorstellungswelt einer der bedeutendsten Denkerinnen des Mittelalters.
Monographien der Abegg-Stiftung 21 | 135 S., 40 Abb., brosch., 18 x 22,5 cm, 2019, ISBN 978-3-905014-70-9

In grossformatigen Medaillons stehen majestätische Löwen, den Kopf dem Betrachter zugewandt. In den Halbkreisen der Medaillonrahmen dagegen rennen abwechselnd Raubtiere und Huftiere hintereinander her, vielleicht eine Jagd darstellend. Eine kurze, mit Tinte aufgeschriebene alttibetische Inschrift lässt annehmen, dass der Stoff im Zusammenhang mit einer Bestattung verwendet wurde. | Zentralasien, Mitte 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), Medaillondurchmesser ca. 79 cm, Inv. Nr. 4864

Unter der Herrscherdynastie der Sasaniden (224–642) entwickelte sich im spätantiken Persien eine verfeinerte höfische Kultur, deren Einflüsse bis nach China und Zentralasien reichten. Neben der Seidenweberei nahmen Metallkunst und Glasherstellung hohen Rang ein. Die flache, gelappte Schale zeigt die sasanidische Goldschmiedekunst auf ihrem Höhepunkt. Sie ist aussen abwechselnd mit feinen Riefen und schwarz ausgeschmolzenen Ornamenten verziert. Das Zentrum im Innern nimmt die Darstellung eines laufenden Ebers ein. | Iran, 5.–6. Jahrhundert, Silber, getrieben, nielliert, vergoldet, L. 24,6 cm, Inv. Nr. 8.123.65

Das dichte, schwere Seidengewebe ist mit nicht weniger als acht verschiedenen Farben gewebt und war einst kräftig bunt mit rotem Grund. Verantwortlich für das heutige, zu Beige verblasste Kolorit sind die sehr unstabilen verwendeten Färbemittel. Der eigentliche Sattel bestand aus Holz, die Sattelbögen muss man sich mit Metallbeschlägen geschmückt vorstellen. | Zentralasien, Ende 8. bis Mitte 9. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), L. 64 cm, Inv. Nr. 4866/4870/4906/4922

Die zwei Abschnitte vom Vorderteil eines Gewandes wurden im Friedhof Yingpan (Xinjiang, China) gefunden. Stil und Motivwahl des Stoffes sind spätantik-hellenistisch beeinflusst, aber mit charakteristisch zentralasiatischen Elementen durchsetzt. Die Symbolik der Schmetterlinge jagenden Eroten und des Zweikampfes zwischen Adler und Schlange ist ganz auf Nachleben und Überwindung des Todes ausgerichtet. | Östliches Zentralasien, 5.–6. Jahrhundert, Wollgewebe (Taqueté), H. 114,5 cm, B. 44 und 54 cm, Inv. Nr. 5073/5175

Abegg-Stiftung, Wollgewebe mit Putten, Östliches Zentralasien, 5.–6. Jahrhundert, Inv. Nr. 5073/5175

Kreismedaillons, klassischerweise gerahmt von Perlbändern, gelten als das wichtigste Gestaltungs- und Erkennungselement persischer Seidengewebe. In verschiedenen Abwandlungen prägten sie während Jahrhunderten die Seidenweberei von China bis Byzanz. Hier rahmen Ketten von Blütenknospen Paare von streng stilisierten Hirschen. Die leuchtendbunte, fast naive Farbgebung ist ungewöhnlich gut erhalten. | Zentralasien, 7.–8. Jahrhundert, Seidengewebe (Samit), H. 52 cm, B. 35,5 cm, Inv. Nr. 4901

Die hochaufragende Flügelkrone wurde einst nur von versteifenden Einlagen und mit Hilfe der Schleifenbänder in Form gehalten. Sie ist mit Phönixen geschmückt, die einer Flammenperle nachjagen. Der Phönix wird mit dem roten Vogel, dem Tier des Südens, identifiziert und steht für die Kaiserin, der er allerdings zur Zeit der Liao noch nicht allein vorbehalten ist. Die Krone wurde sicher von einer Frau getragen, von deren Kopfputz sich noch weitere, in Rot und Blau gehaltene Seidenschleifen erhalten haben. | Nordchina, Liao-Dynastie, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Seidengaze, bestickt mit vergoldeten Papierstreifchen und Seide, H. 72 cm, Inv. Nr. 5250

The richly illustrated exhibition catalogue presents unique silk garments and accessories of the Liao-dynasty (907–1125). Questions regarding the coherence of the group of garments, their manner of wear and the person for whom they were originally intended are addressed. A separate chapter is devoted to the extensive conservation work and the insights gained from it. The significance of textiles of Liao culture and the present state of research are discussed in individual essays.
With contributions by A. Bayer, L. S. Gremli, J. C. Y. Watt | 314 p., 270 illus, soft binding, 24,5 x 31 cm, 2007, ISBN 978-3-905014-31-0

Das Mantelkleid ist nachweislich als äusserste von mehreren Gewandschichten getragen worden. Das mag seine Grösse, die für eine Frau viel zu voluminös erscheint, teilweise erklären. Wahrscheinlich wurde die Robe mit einem Gürtel geschlossen. Solche bestanden nicht selten aus Edelmetall und galten, wie Schmuck, als Statussymbole. Auf dem Seidengewebe fügen sich vier Löwen, die eine Flammenperle jagen, zu Medaillons; in den Zwickeln wenden sich vier Drachenfische einem Rautenornament zu. | Nordchina, Liao-Dynastie, 1. Hälfte 11. Jahrhundert, Seidengewebe (beidseitig schusswirkender Samit), wattiert und gefüttert, H. 148 cm, Inv. Nr. 5239

Abegg-Stiftung, Wollgewebe mit Putten, Östliches Zentralasien, 5.–6. Jahrhundert, Inv. Nr. 5073/5175

The richly illustrated exhibition catalogue presents unique silk garments and accessories of the Liao-dynasty (907–1125). Questions regarding the coherence of the group of garments, their manner of wear and the person for whom they were originally intended are addressed. A separate chapter is devoted to the extensive conservation work and the insights gained from it. The significance of textiles of Liao culture and the present state of research are discussed in individual essays.
With contributions by A. Bayer, L. S. Gremli, J. C. Y. Watt | 314 p., 270 illus, soft binding, 24,5 x 31 cm, 2007, ISBN 978-3-905014-31-0

Für die Mongolen, die ab 1206 sukzessive China, Zentralasien und Persien unterwarfen, war Gold nicht nur ein überaus wertvolles Material, sondern auch die dem Herrscher zugeordnete Farbe, die tiefe, spezifisch kosmologische Bedeutung besass. Fast ausschliesslich golden war ursprünglich auch die Wirkung dieses Stoffes, bei dem der einst rote Grund nur noch kleinteilig-lineare Konturen und Restflächen bildet. | Ostiran oder Zentralasien, Ende 12. bis 1. Hälfte 13. Jahrhundert, goldgemustertes Seidengewebe (Lampas), H. 127 cm, B. 84 cm, Inv. Nr. 4905

Der zu Prozessionen und Weihehandlungen angelegte Mantel zeigt alttestamentliche Propheten und Könige, die in eingerollten Weinranken stehen. Die eigentliche Wurzel dieses Stammbaumes Christi mit dem träumenden Jesaja (Jesse) war einst auf der Rückseite zu sehen. Solch prächtige Gewänder mit Gold- und malerisch modellierender Seidenstickerei waren eine Spezialität der englischen Seidenhefter, die Päpste und Kirchenfürsten mit ihren Erzeugnissen belieferten, darunter auch den Salzburger Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf (1291–1312). | England, um 1290–1300, Gold- und Seidenstickerei auf Leinen, H. 137 cm, Inv. Nr. 231

Abegg-Stiftung, Pluviale mit Wurzel Jesse, England, um 1290–1300, Inv. Nr. 231

Bei dieser Borte wirken Brettchenweberei und Stickerei in der Gestaltung zusammen. Von oben nach unten erscheinen die Märtyrer Laurentius und Stephanus sowie die Heiligen der grossen mittelalterlichen Ordensgemeinschaften, darunter Petrus Martyr und Dominikus, Bernhard von Clairvaux und Franziskus von Assisi, die auch mit ihren Namen bezeichnet sind. Bemerkenswert ist die ordensübergreifende Darstellung dieser Heiligen, die zum Teil erst vor kurzem heiliggesprochen worden waren. Dies spricht für eine klösterliche Herstellung und möglicherweise für eine Propagierung ihrer Heiligenkulte. | Rheinland (?), Ende 13. bis Anfang 14. Jahrhundert, Brettchengewebe, bestickt, H. 90 cm, B. 15 cm, Inv. Nr. 5542

Unterschiedlicher Herkunft sind die kostbaren Gewebe, aus denen dieses liturgische Gewand eines Diakons gefertigt wurde. Den Hauptstoff bildet ein italienischer Lampas mit Hunden sowie dem christologischen Motiv des Pelikans, der seine Jungen nährt. An den Ärmeln erscheint eine spanische Seide mit einer höfischen Devise, für die seitlichen Zwickel wurde ein chinesisches bzw. persisches Gewebe verwandt. Das zugehörige Gewand eines Subdiakons befindet sich in Stralsund, das einen grossen mittelalterlichen Paramentenschatz bewahrt. | Stralsund, 15. Jahrhundert bzw. Italien, China oder Persien, Spanien, 13.–14. Jahrhundert, Gewebe aus Gold- und Seidenfäden, H. 120 cm, B. 142 cm, Inv. Nr. 152

Abegg-Stiftung, Dalmatik aus Stralsund, Stralsund, 15. Jahrhundert, Seidengewebe 13.–14. Jahrhundert, Inv. Nr. 152

Zwischen stilisierten Landschaftsmotiven springt ein geschupptes Fabelwesen mit spitzen Ohren und gespaltenem Schwanz. Während die versetzte Anordnung der Bäume mit herzförmigen Blättern an herkömmliche Spitzovalmuster denken lässt, gewinnt der Dekor durch die diagonale Anordnung eines Baches und der von einem Wolkenband ausgeworfenen Strahlen eine aufsteigende Dynamik. Die detailreiche Silhouette des Tieres erinnert an chinesische Vorbilder, die Landschaftsmotive scheinen der persischen Buchmalerei entlehnt. | Italien, 2. Viertel bis 2. Hälfte 14. Jahrhundert, Gewebe aus Gold- und Seidenfäden, H. 41 cm, B. 32 cm, Inv. Nr. 456

Mit leicht geneigtem Kopf blickt die Gottesmutter auf das auf ihrem Schoss sich räkelnde, unbekleidete Christuskind. In zärtlicher Verlobungsgestik hält ihre Rechte die seine. In subtiler Anspielung auf seinen späteren Opfertod greifen die Finger ihrer Linken zupackend in sein sinnlich nachgebendes Fleisch. Die auch Hans Multscher (1400–1467) zugeschriebene Skulptur verbindet den Farbkanon und die Eleganz der Kunst des Schönen Stils um 1400 mit einer reduzierten, aber nicht minder ergreifenden Formgebung. | Mittelrhein, um 1425/30, Nussbaum- und Nadelholz, gefasst, H. 67 cm, Inv. Nr. 11.44.75

Der gestickte Besatz steht ganz in der Tradition von Kreuzigungsdarstellungen, die den Glaubensgrundsatz von der Wandlung von Brot und Wein zu Christi Leib und Blut thematisieren: Drei Engel fangen das Blut des Gekreuzigten in Kelchen auf; darunter erscheint der gute Hauptmann, der ihn als Gottessohn erkennt. Diese Motive entsprechen denn auch der Funktion des Gewandes als priesterlichem Kleidungsstück für die Messfeier. Die ausserordentlich feine Stickerei mit Gold-, Silber- und Seidenfäden besticht in ihren Lasureffekten und schliesst damit an die burgundische Stickerei des 15. Jahrhunderts an. | England, 3. Viertel 15. Jahrhundert, Stickerei in Gold- und Seidenfäden auf Leinen, H. 115, B. 61 cm, Inv. Nr. 5527

Rogier van der Weyden, Werkstatt, 1440–1445
Die Kreuzigungsgruppe der Mitteltafel entstand unter Verwendung einzelner Motive aus früheren Werken Rogier van der Weydens. Durch die expressive Gestik der Personen wird die Darstellung des Geschehens hier ins Dramatische gesteigert. Die Gewänder zeigen reiche italienische Samtgewebe und feines niederländisches Leinen. Der Flügelaltar hing ehemals in der Dominikanerkirche von Chieri im Piemont. Auftraggeber war ein Mitglied der Bankiersfamilie de Villa; der Stifter ist auf dem linken Seitenflügel mit seinem Wappen dargestellt. | Öl auf Holz, H. 103,5 cm, Inv. Nr. 14.2.63

Abegg-Stiftung, Kreuzigungstriptychon, Rogier van der Weyden, Werkstatt, 1440–1445, Öl auf Holz, H. 103,5 cm, Inv. Nr. 14.2.63

Das Triptychon zeigt in seiner Dramatik und Bewegtheit eine ungewöhnliche Facette der Rogieresken Kunst. Zugleich lässt es sich in kompositorischer wie in maltechnischer Hinsicht in ein enges Geflecht von Arbeiten eingliedern, die der Brüsseler Meister in jenen Jahren schuf und zu denen seine unbestrittenen Hauptwerke, die Grosse Kreuzabnahme und der Miraflores-Altar, zählen. Die vorliegende Monographie geht diesen Verflechtungen ebenso nach wie der Person des Stifters, den Verbindungen zu anderen Aufträgen sowie der Rezeption des Altargemäldes in der zeitgenössischen italienischen und nordeuropäischen Malerei.
Monographien der Abegg-Stiftung 20 | 90 S., 43 Abb., 1 Falttafel, brosch., 18 x 22,5 cm, 2014, ISBN 978-3-905014-59-4

Stilisierte Granatäpfel gehören zu den typischen Motiven italienischer Gewebemuster des Spätmittelalters. Während andere Samte jedoch häufig nur stilisierte Umrisse von Granatäpfeln zeigen, sind die Früchte hier plastisch erkennbar. Durch die stellenweise Überlagerung der Zweige und die in zarten Linien angedeutete Rundung der Früchte entsteht ein Eindruck räumlicher Tiefe. Italienische Samtgewebe mit Goldbroschierung waren kostbare Exportgüter und wurden in Gemälden südlich und nördlich der Alpen dargestellt. | Italien, Mitte 15. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 100 cm, Inv. Nr. 818

Aufgeklappt zeigt die Kugel unten den Tanz der Maria Magdalena mit einem Edelmann nach einem Stich des Lucas van Leyden von 1519. Oben erscheint Christus zu Besuch im Hause Marthas. Während diese den Gast mit Eifer bewirtet, lauscht ihre Schwester Magdalena nur andächtig seinen Worten. Magdalena repräsentiert die fromme Andacht, zu deren Anregung auch dieser Anhänger an einem Rosenkranz diente. Ebenso faszinierte diese virtuose Miniaturschnitzerei fürstliche Sammler, die zu dieser Zeit begannen, ihre Kunstkammern zusammenzutragen. | Südliche Niederlande, nach 1519, Buchsbaumholz, Dm. 6,5 cm, Inv. Nr. 7.15.67

Unter den nichttextilen Kunstwerken der Abegg-Stiftung finden sich zwei delikate Miniaturschnitzereien. Von kugeliger Gestalt und aussen mit Ornamenten reich verziert, offenbaren sie in ihrem Inneren faszinierend kleine und dabei höchst komplexe Bildwelten. Einem Rosenkranz angehängt, dienten sie der meditativen Versenkung. In der frühen Neuzeit wurden sie vor allem als Kunstkammerstücke geschätzt. Die reich bebilderte Publikation liefert Einblicke in die mittelalterliche Frömmigkeitspraxis. Zugleich eröffnet sie eine Perspektive auf die Tradition des Sammelns bis in die heutige Zeit.
Monographien der Abegg-Stiftung 15 | 86 S., 40 Abb., brosch., 18 x 22,5 cm, 2011, ISBN 978-3-905014-46-4

Antonio Abondio, um 1575
Die Portraits zeigen Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und seine Gemahlin Maria, die in Graz residierten. Abondio setzte als erster Künstler nördlich der Alpen die Wachsmodellierung nicht ausschliesslich zur Fertigung von Modellen für Medaillen ein, sondern erhob Wachsbildnisse zu einer eigenständigen künstlerischen Gattung. In vergoldete Kupferkapseln montiert, wurden die Kleinportraits gerne als Geschenke an Familienmitglieder gereicht. | Pigmentiertes Wachs, H. 13,5 cm, Inv. Nrn. 9.7.63 und 9.8.63

Die Studie stellt die Bildnisse Erzherzogs Karl II. von Innerösterreich und seiner Gemahlin Maria vor. Sie werden dem italienischen Wachsmodelleur Antonio Abondio zugeschrieben und um 1575 datiert. Abondio war einer der bedeutendsten Medailleure des 16. Jahrhunderts und trug entscheidend zur Entwicklung farbiger Wachsportraits als einer eigenen Bildgattung bei. Die Herkunft der beiden Wachsbildnisse aus der Münchner Kunstkammer sowie ihre spätere wechselvolle Geschichte werden dargelegt.
Monographien der Abegg-Stiftung 17 | 74 S., 29 Abb., brosch., 18 x 22,5 cm, 2011, ISBN 978-3-905014-49-5

Silbervergoldete Prunkgefässe wurden anlässlich bedeutender Ereignisse gefertigt und als Erinnerungsstücke aufbewahrt. An fürstlichen Höfen und in bürgerlichen Häusern präsentierte man sie auf einer Tafel oder einem mehrstufigen Büffet. Anhand der aufgebrachten Meistermarken lassen sich Herkunft und Künstler bestimmen. Der getriebene Buckeldekor des Pokals zählt zu den anspruchsvollsten Techniken der Goldschmiedekunst. Freiplastische Figurengruppen, den Sündenfall und den heiligen Christophorus darstellend, schmücken Fuss und Deckel. | Nürnberg, Georg Rühl d. Ä., um 1603, Silber, getrieben, vergoldet, H. 48,5 cm, Inv. Nr. 8.75.63

Jan Brueghel der Ältere, 1593
Die Szene mit dem Eintritt Christi in die Vorhölle erscheint weit links am Bildrand. Gleichwohl gelingt dem Maler durch die kontrastreiche Lichtführung und die Bewegungsrichtung der Figuren eine Konzentration der Komposition auf das inhaltlich Wesentliche. Die Tafel entstand während eines Aufenthaltes des Malers in Rom und zählt zu seinen frühesten signierten Werken. Mit ihren fabeltierartigen Bewohnern erinnert die Höllenlandschaft an Gemälde von Hieronymus Bosch. | Ölhaltige Farbe auf Kupfer, H. 25,6 cm, Inv. Nr. 14.119.72

Abegg-Stiftung, Christus in der Vorhölle, Jan Brueghel der Ältere, 1593, Inv. Nr. 14.119.72

Das signierte und in das Jahr 1593 datierte Gemälde zählt zu den frühesten gesicherten Höllenlandschaften des Künstlers. Es wird mit dieser Studie erstmals publiziert und bietet einen Anlass, die frühen Höllenlandschaften Jan Brueghels vergleichend zu betrachten. Zugleich erlaubt die Datierung des Werks, das Umfeld seiner Entstehung während des dreijährigen Aufenthaltes des Malers in Rom nachzuzeichnen. Viele Detailfotos und Makroaufnahmen des Gemäldes sowie eine Fülle von Farbabbildungen ähnlicher Werke begleiten den Text.
Monographien der Abegg-Stiftung 14 | 68 S., 34 Abb., 1 Falttafel, brosch., 18 x 22,5 cm, 2011, ISBN 978-3-905014-44-0

In der Webtechnik sind osmanische Seidensamte europäischen Samten sehr ähnlich. Ihre Muster unterscheiden sich jedoch von Granatapfelsamten italienischer Tradition. Der Seidensamt mit in Reihen angeordneten Pinienzapfen beeindruckt durch die schlichte Eleganz und ruhige Ausstrahlung seines Dekors. Mit ihren gleichförmigen Konturen scheinen die Pinienzapfen vor dem roten Samt zu schweben. Gelbe Stege und rote Punkte ahmen die natürliche Oberfläche von Pinienzapfen nach. | Osmanisches Reich, 16. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 113 cm, Inv. Nr. 5430

Das feine Gewebe, dessen Grund ganz mit Goldfäden bedeckt ist, entstand vermutlich in Persien unter der Herrschaft der Safawiden (1501–1722). Die naturgetreue Darstellung der Rose und des Vogels deutet jedoch bereits auf den gegen Ende dieser Epoche einsetzenden Einfluss europäischer Bildvorlagen und botanischer Illustrationen auf die persische Kunst. Orientalische Luxusgewebe waren in Europa bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert begehrte Sammlerstücke. | Persien, spätes 17. Jahrhundert, Seide, Metallfäden, H. 72 cm, Inv. Nr. 5411

Die phantasievollen, häufig schwer zu beschreibenden Muster der sogenannten bizarren Seiden spiegeln den Einfluss fernöstlicher Vorbilder, die seit dem 17. Jahrhundert durch ostindische Handelskompanien nach Europa gelangten. Die asymmetrische Komposition mit diagonal angeordneten Motiven ist durch asiatische Gestaltungsprinzipien geprägt. Der schimmernde grüne Damastgrund des Gewebes erscheint als eine Folie, vor der sich die an exotische Meerestiere und Seetang erinnernden Motive bewegen. | Frankreich oder Italien, um 1700, Seide, Metallfäden, H. 95,5 cm, Inv. Nr. 260

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts treten eigens für die Innendekoration konzipierte Seidengewebe mit grossen bildhaften Motiven auf, die sich über die gesamte Webbreite ausdehnen. Dazu gehört diese Bahn einer Wandbespannung nach dem Entwurf von Philippe de Lasalle, der in Lyon als Entwurfskünstler, Ingenieur und Fabrikant wirkte. Kaiserin Katharina die Grosse von Russland liess einen Salon ihrer Sommerresidenz in Zarskoje Selo nahe St. Peterburg mit Seiden dieses Musters ausstatten. | Frankreich (Lyon), um 1770–1775, Seide, H. 192 cm, Inv. Nr. 5064

Die Publikation präsentiert eine Auswahl der schönsten und historisch bedeutendsten Dekorationstextilien aus der Sammlung der Abegg-Stiftung. Das Einführungskapitel behandelt die verschiedenen textilen Gattungen, ihre Verarbeitung und Verwendung in der Innenausstattung.
Riggisberger Berichte 12 | Mit englischer Übersetzung der Einführung. 260 S., 110 Abb., 10 Zeichnungen, brosch., 23 x 31 cm, 2005, ISBN 3-905014-28-9